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Interview der RLZ mit Michael Schnatz

Kommunales

Einen Tag vor der Feierlichen Ratssitzung in Holzappel, in der nach 26 Jahren Bürgermeister Franz Klöckner verabschiedet wird und Michael Schnatz, der bisherige Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde, zum neuen Bürgermeister ernannt, vereidigt und in das Amt eingeführt wird, führte die Rhein-Lahn-Zeitung ein Interview mit dem künftigen Bürgermeister.

RLZ: Plötzlich Bürgermeister! Wie fühlt sich das an, Herr Schnatz?

SCHNATZ: Ich sage es frei und offen heraus: es ist eine große Freude, die mich an diesem Tag trägt, und es ist ein gutes Gefühl. In gleicher Weise spüre ich die große Verantwortung des Amtes, die nun auf mir – nicht lastet, sondern – ruht. Keine Spur von Machtgefühl, sondern Demut und Gestaltungskraft.

RLZ: Ganz so plötzlich kam es ja auch nicht. Wie haben Sie sich nach Ihrer Wahl auf das neue Amt eingestellt?

SCHNATZ: Die Amtseinführung erfolgt ja rund sechs Monate nach der Wahl. Insofern ist es richtig, dass ich nicht plötzlich Bürgermeister sein werde. Seit über 14 Jahren bin ich erster Beigeordneter dieser Verbandsgemeinde und insofern glaube ich, mich als Bürgermeister nicht neu erfinden zu müssen. Gleichwohl habe ich in den vergangenen Wochen und Monaten sehr intensiv nachgedacht, wie ich die neue Rolle, die mir von den Bürgerinnen und Bürgern zugesprochen wurde, leben werde – nach innen in die Verwaltung und nach außen. Und natürlich habe ich sehr viele und äußerst intensive Gespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern „meiner“ Verwaltung geführt. Bei allem, was heute ist und morgen sein wird, werde ich aber niemals den Rat eines väterlichen Freundes vergessen, der mir nur wenige Tage nach meiner Wahl zum Beigeordneten vor fast 15 Jahren sagte: „Tritt nicht in die Fußstapfen anderer, sondern gehe deinen Weg und hinterlasse eigene Spuren.“

RLZ: Jeder setzt persönliche Akzente: Was dürfen Ihre Mitarbeiter und die Bürger von Ihnen als Bürgermeister in dieser Hinsicht erwarten.

SCHNATZ: Die Bereitschaft zuzuhören, den Partner auf der anderen Seite ernst zu nehmen, zu verstehen und sich auf dessen Denken einzulassen, Andersdenkende nicht alleine stehen zu lassen und durch Vertrautheit Vertrauen zu stiften. Den Willen, Entscheidungen im Team zu treffen und zügig umzusetzen und ein „breites Kreuz“, wenn es darum geht, die Dinge durchzustehen – auch wenn einmal etwas nicht so gut gelaufen ist. Mein gesamtes Handeln wird vom festen Willen getragen sein, die besten Lösungen für unsere Verbandsgemeinde zu finden.

RLZ: Die ganz großen Aufgaben der Verbandsgemeinde sind im Moment nicht auf den ersten Blick erkennbar. Was ist nach Ihrer Auffassung zurzeit das herausragende Arbeitsfeld der Verwaltung?

SCHNATZ: Die Vielfalt unserer ländlichen Region, die Lebensqualität und die wirtschaftliche Stärke unserer kleinen und mittleren Unternehmen sind nicht selbstverständlich. Sie müssen gepflegt und sie müssen entwickelt werden. Wir müssen uns den Herausforderungen der Zukunft stellen und den bereits viele Bereiche unseres täglichen Lebens berührenden demografischen Wandel aktiv gestalten. Daran arbeiten wir Tag für Tag. Das kann aber nur im Einklang mit den Menschen unserer Verbandsgemeinde gelingen. Und in diesem Kontext ergibt sich aus meiner Sicht eine der ganz wesentlichen Aufgaben: eine Politik, die auf der Höhe der Zeit sein will, muss nicht nur zukunfts- und generationengerecht sein. Nein, sie muss die Bürgerinnen und Bürger auch stärker an „ihre Heimat“ binden. Denn eng verbunden mit einer positiven und nachhaltigen Entwicklung im ländlichen Raum ist die Identifikation der Menschen mit ihrer Region. Und deshalb müssen wir immer wieder die Menschen mit ihren unterschiedlichen Talenten zusammenbringen und so die positiven Kräfte der Region bündeln. Mein Ziel ist eine Verbandsgemeinde für alle, von und mit allen.

RLZ: Die Verbandsgemeinde Diez ist in ihrem Bestand nicht infrage gestellt, dennoch könnten sich ihre Konturen verändern. Welche Optionen sehen Sie für Fusionen mit Nachbarverbandsgemeinden? Gab es schon Gespräche?

SCHNATZ: Es ist richtig, für die Verbandsgemeinde Diez wurde kein Gebietsänderungsbedarf festgestellt. Weder das Gutachten zur Kommunal- und Verwaltungsreform, noch das Land gibt die Empfehlung zur Fusion mit einer Nachbarverbandsgemeinde. Wenn aber für alle unsere Nachbarn im Rhein-Lahn-Kreis ein Veränderungsbedarf gesehen wird, dann können wir selbstverständlich nicht nur zuschauen, sondern wir müssen uns informieren und à jour halten. In diesem Prozess sind das zuständige Innenministerium und die Kollegen meine ersten Ansprechpartner. Und wenn sich durch eine Fusion die Leistungsfähigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit und die Verwaltungskraft der Verbandsgemeinden verbessern lassen, werden wir im Interesse einer bestmöglichen Daseinsvorsorge für die Bürger aktiv werden.

RLZ: Generell scheint ja der demografische Wandel ein prägendes Phänomen zu sein. Was kann und muss die Verbandsgemeinde tun, um dem zu begegnen?

SCHNATZ: Unsere Verbandsgemeinde steht im Wettbewerb um die besten Standorte des Lebens, Wohnens und Arbeiten. Das ist eine der wesentlichen Auswirkungen des demografischen Wandels. Wollen wir diesen Wettbewerb erfolgreich bestehen, dann müssen wir kreative Ideen und vor allem Lösungen entwickeln. Und wenn ich vorhin das Ziel „eine Verbandsgemeinde für alle, von und mit allen“ formuliert habe, dann wünsche ich mir mit den Worten des Schweizer Schriftstellers Max Frisch, der einmal sagte „Demokratie heißt, sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen.“, dass möglichst viele Menschen sich im Interesse unserer Heimat engagieren und ihre Kreativität und Ideen einbringen. Das ist sicherlich keine neue Idee und wir haben insoweit auch nichts Neues zu erfinden. Es gilt aber Formen zu finden, wie wir diese Grundbereitschaft ansprechen und bürgerschaftliches Engagement auch weiterhin aktivieren können.

RLZ: Noch ein Satz zur nächsten wichtigen Personalie: Wer sollte Ihr Nachfolger im Amt des Ersten Beigeordneten werden und warum?

SCHNATZ: Eine integre Persönlichkeit, die ihre Erfahrungen und Talente im vertrauensvollen Zusammenwirken mit den Kolleginnen und Kollegen des Rates, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung und mit mir einbringt, um die Zukunft unserer Verbandsgemeinde im Sinne der Menschen, die hier leben, aktiv mitzugestalten.

 
 

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